Es sind drückende 42 Grad als wir mittags in Bangkok landen. Selbst
dem thailändischen Taxifahrer ist das zu heiß. Er kann es gar nicht glauben und
zeigt immer wieder kopfschüttelnd auf das Außenthermometer im auf frostige 20
Grad runter gekühlten Taxi. Als seine Gesten erschöpft sind, drückt er auf ein
Knöpfchen und ein Monitor fährt am Autohimmel aus. "Lady Gaga" ruft
er glücklich und schon geht die Show los. Während Gaga eine recht lahme Bühnenperformance
hinlegt ziehen die ersten Wolkenkratzer von Bangkok an uns vorbei. Dazwischen
immer wieder kleine Fleckchen mit Wellblechhütten und goldene
Tempeldächer.
Sobald wir die Stadtautobahn verlassen, fängt das echte Bangkok an.
Unmittelbar. Laut. Wuselig. Ich frage mich, wie viele Mopedfahrer am Tag ihr
Leben lassen zwischen schneidenden Taxifahrern und ihren eigenen zackigen
Manövern. Ist wohl eine buddhistische Herangehensweise.
Unser erstes Hotel, das Frasier Suites, liegt fast direkt an der Sukhumvit, in einer der
Seitenstraßen um genau zu sein, die Suk genannt und dann einfach nur noch durchnummeriert
werden. „Where the Streets have no Names“. Das Hotel selbst ist günstig, bietet
genug Platz, aber leider wenig Charme. Auch hier zeigen die Thermometer innen
knappe 22 Grad. Unser erstes Abenteuer steht an, auf das ich mich am meisten
freue: den nächst besten Essenstand auf der Straße aufsuchen und dort zu Mittag
essen. Nach ein paar Schritten finden wir einen Stand unseres Vertrauens. Es
gibt ein Gemüsecurry und scharfe Shrimps. Dazu den obligatorischen Thai Ice
tea, Cha Yen genannt. Es wird das Getränk dieser Reise. Das Sommergetränkt
2012, vergiss Hugo!
Darauf folgt gleich das zweite Abenteuer: auf eines der unzähligen
Mopedtaxis springen und mit einem der unzähligen lebensmüden Mopedfahrern zur
nächsten Skytrainstation rasen. Entgegen aller Erwartungen fühle ich mich nicht
nur sicher, die Fahrt macht auf großen Spaß und der Fahrtwind ist einfach
herrlich.
Ein kurze Reise später stehen wir auf einem dem größten
Lebensmittelmärkte der Stadt. Asien pur. Es gibt alles. Ganze Berge von
gerupften Hühnern, Frösche kurz vor ihrer Schlachtung, Gemüseberge, Durianstände,
Korianderhaufen. Flinke Frauenhände binden tödlich scharfe Chilis zu kleinen
Sträußen. Schälen Früchte. Drehen Fische auf dem rauchenden Grill um. Ein
kleines Mädchen entdeckt mich und meine Kamera in meiner Hand und setzt zur
typischen asiatischen Fotopose an. Zwei Finger an die Wange. Lächeln. Süß,
obwohl es schon in diesem zarten Alter gestellt ist. Während Jenke in dieser
brütenden Hitze fleißig die am Stand gegenüber verkauften essbaren Insekten
dreht, lädt mich die Kräuterfrau neben an auf einen Sitzplatz auf ihrer
Eistruhe und daraus zu einem gekühlten Wasser ein. Ihre unbefangene
Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft rührt mich. Wir reden mit Händen und
Füssen. Ich solle viele Babies machen. Mädchen, wenn ich sie richtig verstanden
habe. Ihr Chili Sträußchen hängt nun bei uns in der Küche.
Mit dem größeren Tuk Tuk geht es weiter. Richtung Königspalast. Wir
überlegen, ob wir am nah gelegenen Fluss eine Bootstout machen, aber halten es
dann doch für zu touristisch. Stattdessen schlürfen wir im Schatten eine heiße Suppe
und freuen uns an dem vorbei ziehenden Skurrilitäten. Wie der jungen Dame im
Rollstuhl, die mit viel zu großer Sonnenbrille auf der Nase, Micro in der Hand,
Lautsprecher auf dem Schoss ein zähes Liedchen auf den Lippen hat und durch die
touristischen Gassen geschoben wird. Später sehen wir sie stehend mit ihrer
Freundin das eingenommene Geld zählen. Naja. Jeder muss sehen wie er klar
kommt in Bangkok. Abends im Hotel wollen wir einen Cocktail auf der
Dachterassenbar Above Eleven trinken. Der Ausblick ist gigantisch, der Service mau. Da
die Bedienung gleich drei Mal unsere Getränke vergisst oder sie einfach an
einen anderen Tisch bringt und auch der französische Barleiter nicht viel
cleverer ist, bekommen wir erst nach zwanzig Minuten unsere Drinks. Die
allerdings sind zugegebenermaßen lecker.
Durch die Dreharbeiten bleibt kaum Zeit für Sightseeing, mir genügen
aber die Momente auf den Märkten mit den Einsichten in das tägliche Leben der
Menschen hier. Das ist für mich viel lehrreicher als ein Besuch im
hochglanzpolierten Tempel oder gar dem Königspalast. Wir kommen noch mal für
eine Nacht zurück nach Bangkok. Dazu aber später mehr.
Aber zunächst geht es nach Khon Kaen. Khon Kaen? Wie
bitte was? Noch nie gehört! Wo ist das denn? Khon Kaen ist eine untouristische
Stadt im Nordosten Thailands, in der Region Isaan. Unser Reiseführer sagt, es
gebe nichts Berichtenswertes über die Stadt. Genau das macht sie für mich
interessant. Jenke will hier mit einer Professorin und mit Bauern drehen. Und
ich kann die Stadt erkunden. Nach 50 Minuten Flug landen wir auf dem kleinen Flughafen von Khon
Kaen. Wir sitzen in einer der drei Maschinen, die hier täglich aus Bangkok
landen. Mehr ist hier nicht los. Als wir aus dem Sicherheitsbereich treten,
werden wir Farangs besonders beäugt.
Was machen die bloß hier? Und tatsächlich: auf dem ersten Blick hat
die Stadt wirklich nichts zu bieten. Die Universität ist sicherlich ein Magnet,
auch für ausländische Wissenschaftler. Ansonsten sind hier Farangs nur
anzutreffen, wenn sie die Familien ihrer thailändischen Frauen besuchen. Denn
gerade die Isaanerinnen ziehen in jungen Jahren durch ganz Thailand, auf der
Suche nach Arbeit. Das sieht man hier. Und leider oft das Klischee alter weißer
Mann und viel jüngere thailändische Frau.
Mein Besuch in einer durchklimatisierten, futuristischen
Shoppingmall, die ich hier so nicht erwartet hätte, mutiert zum großen
Aha-Erlebnis. Ich frage mich nicht nur, wie die Menschen die hier arbeiten und
auch die Kunden, die hier shoppen, sich überhaupt jemals an die extreme
Lautstärke und dem Musik-Wirrwarr gewöhnen können, sondern auch, wie sie es bei
20 Grad in kurzen Hosen und Flips Flops aushalten, wenn draußen 20 Grad mehr
sind. Ich bin am Anfang auf jeden Fall der Ohnmacht nah. Als ich ein Kleid
kaufen will, brauche ich zehn Minuten, um der Verkäuferin zu entlocken, wo sich
die Kasse befindet. So selten sind hier Touristen unterwegs. Englisch findet nicht
statt. Der Nachtmarkt hingegen, den unser Tuk Tuk Fahrer allerdings nicht
auf Anhieb findet, macht Khon Kaen schon fast wieder eine Reise wert. Nichts
für ständig Hungrige wie wir, denn die Auswahl an köstlichen Ständen ist so
groß, dass wir uns kaum entscheiden können.
Wir schaffen es trotzdem und freuen uns über unverfälschtes,
thailändisches Essen. Ein Rätsel teilweise, was hier inden Töpfen schlummert.
Aber alles, was wir essen ist wirklich lecker.
Und dann, gerade als Jenke irgendwo Insekten fängt und ich zum
ersten Mal meinen Bikini auspacke um mich ganz faul an den Hotelpool zu legen,
passiert das, worauf ich die ganze Zeit schon gewartet habe. Ich sitze gerade
eine Minute auf meiner Liege. Der Himmel bewölkt sich, wird pechschwarz, die
Luft wirkt wie elektrisiert. Und dann geht es los. Es fängt an zu donnern, zu blitzen
und zu grollen. Innerhalb von einer Sekunde pladdert ein heftiger Regen vom
Himmel. So was habe ich noch nie erlebt. Geil! Ich rette mich gerade noch rein
und schaue staunend wie ein kleines Mädchen durch die bodentiefen
Fensterscheiben unseres Hotel. Das Spektakel dauert nur wenige Minuten. Schon bald
vertreibt ein rosaroter Himmel die Wolken. Ich haste raus, um Fotos zu machen. Beim
Anblick der nassen Straßen, in deren Pfützen sich der Himmel spiegelt, erstarre
ich förmlich Thailand, du Schönheit.
Bald folgt der zweite Teil unserer Reise.














Wow! Einfach nur genial und hier mit ein weiterer Grund warum Thailand auf meine Vielleicht-im-Winter-Liste kommt. :)
AntwortenLöschenSchöne Grüße
Christina
Danke, Christina... unser Tipp: Änder deine Vielleicht-im-Winter-Liste auf ganz-bestimmt! :-)))))
AntwortenLöschenDas liest sich richtig gut, als wäre ich mit dabei gewesen! Danke schön.
AntwortenLöschenUnser nächster Thailand-Urlaub ist erst nächstes Jahr im Februar wieder, da hilft euer Reise-blog über das Fernweh hinweg ;-)
Bin gespannt auf die Fortsetzung
Irena
Hi ihr beiden,
AntwortenLöschenein kleiner Shopping Tipp. Falls ihr nochmal in Bangkok seid, geht doch mal in die Central World Mall. Hier ist die Schnappatmung-Gefahr für Frauen sehr hoch :-)
Gruß
Hape
Hi Hape, danke für den Tipp. Schnappatmung hört sich gut an! ;-)
AntwortenLöschenHi,
AntwortenLöschendanke für diesen tollen Bericht. Dank euch beiden habt Ihr mir Thailand schmackhaft gemacht. Im übrigen sind das sehr tolle Bilder.
Heiter weiter.
Andre
http://www.mongolei24.net